Landingpage, Onepager, Microsite – same same, but different?

„Same same, but different“ – wer schon einmal durch Thailand oder Bali gereist ist, kennt den Spruch wahrscheinlich. Er steht auf T-Shirts, Tassen, Stoffbeuteln, so oft, dass er selbst zum Souvenir wurde. Ursprünglich beschreibt das geflügelte Wort kleine Abweichungen bei Nachbauten und Nachahmungen. Zwei Dinge, auf den ersten Blick identisch, beim zweiten Blick eben doch nicht ganz.
Genau dieses Prinzip beschreibt das Problem, das in vielen Briefing-Gesprächen rund um Landingpage, Onepager und Microsite entsteht, denn im Digitalen ist die Logik ähnlich: Drei Formate, die alle irgendwie „Website“ heißen, und doch für völlig verschiedene Aufgaben gebaut sind.

Die Frage, die vor der Formatwahl steht

Viele Briefings starten mit der falschen Frage, nämlich „Welches Format?“, statt mit der eigentlich entscheidenden: „Was soll zuerst passieren, soll jemand handeln oder soll jemand zunächst einmal Vertrauen aufbauen?“ Diese Reihenfolge entscheidet nämlich mehr über den Erfolg einer Kampagne als das Format selbst.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen bestellt „eine Landingpage“, meint aber eigentlich eine emotionale Markenerzählung. Die Agentur liefert eine schlanke Conversion-Seite. Beide Seiten haben technisch richtig gehandelt. Das Ergebnis passt trotzdem nicht zusammen.

Conversion ist dabei das Stichwort, das in fast jedem Gespräch fällt, ohne dass jemand nachfragt, was genau gemeint ist. Also? Gemeint ist der Moment, in dem aus einem Besucher etwas Konkretes wird. Ein Kauf, eine Anmeldung oder eine ausgefüllte Anfrage. Laut einer Unbounce-Analyse von 41.000 Landingpages und 464 Millionen Seitenaufrufen liegt eine „gute“ Conversion-Rate beim Median bei 6,6 Prozent. Klingt niedrig? Ist es auch. Genau deshalb zählt bei einer Landingpage jedes Detail.

Manchmal ist die richtige Antwort ohnehin keine Entscheidung zwischen einzelnen Formaten, sondern eine kluge Kombination, beispielsweise aus einem emotional erzählenden Onepager, der an einer Stelle gezielt auf eine schlanke, conversion-optimierte Unterseite verweist. Das ist kein Kompromiss, das ist Konzeption. Genau dieses Gespräch führen wir immer, bevor der erste Entwurf entsteht.

Online Shop Landingpage auf einem MacBook

Ein Motiv, vier Worte: „Same same, but different“ bringt den Unterschied zwischen ähnlich wirkenden Webformaten auf den Punkt.

Meta, Google und LinkedIn Logos die auf eine Landingpage zeigen

Verschiedene Paid-Kanäle führen gezielt auf eine fokussierte Seite mit einem klaren Conversion-Ziel.

Landingpage – das Sonderangebot im Schaufenster

Ein Schaufenster mit einem einzigen ausgezeichneten Angebot hat eine klare Aufgabe: es soll Passanten zum Reingehen bewegen, nicht zum Stehenbleiben und Schauen. Genauso ist eine Landingpage gebaut. Sie entsteht für eine einzelne Kampagne, dort, wo jemand über eine Anzeige oder eine Suche gezielt „landet“, und sie hat exakt ein Ziel: die vorher festgelegte Handlung, die Conversion.

Damit das gelingt, fällt von Navigation über Unterseiten und Ablenkung fast alles weg, was sonst zu einer Website gehört. Übrig bleiben eine klare Headline, ein knappes Nutzenversprechen und ein einziger, gut sichtbarer Call-to-Action. Kein Schaufenster mit zwanzig Angeboten gleichzeitig, sondern eines, das niemand übersehen kann.

Uns begegnet dabei ein Muster immer wieder: Jemand bucht eine Landingpage, obwohl das eigentliche Thema mehr Platz braucht, als eine einzelne Seite hergibt. Der Blick auf die übergeordnete Zielhierarchie von oben klärt das meist schon vor der ersten Skizze.

Praxisbeispiel

Für die neue Container-Lösung „Fusion“ bekam unser Kunde Traffic Lines zur Messe IndiAirport 2025 keine überarbeitete Startseite, sondern eine eigene Landingpage (fusion.traffic-lines.de): Wer über den Messeauftritt oder eine gezielte Anzeige darauf stößt, findet exakt die Informationen zu dieser einen Neuheit und einen klaren nächsten Schritt für den Vertrieb. Nach demselben Prinzip funktioniert auch die Landingpage zum Vermietmodell „Rent or Buy“ für Waterblasting-Trucks: ein Angebot, eine Zielgruppe, eine Seite.

ACHTUNG

Eine Landingpage ohne Kampagnenbezug ist wie ein Schaufenster ohne Adresse dahinter: Sie verschenkt Budget, sobald Anzeigen auf die allgemeine Startseite statt auf eine dedizierte Seite verlinken. Und eine Landingpage, die alles gleichzeitig will – informieren, überzeugen und verkaufen –, schafft am Ende keines davon wirklich gut.

Typische KPIs – abhängig von Ihrem definierten Ziel

KPI steht für Key Performance Indicator, zu Deutsch: eine Kennzahl, an der sich der Erfolg einer Seite konkret ablesen lässt. Bei einer Landingpage sind das meist Conversion-Rate, Lead-Anzahl, Absprungrate und Cost per Lead (CPL).

Wichtig dabei: Diese Liste ist kein Fixpunkt, sondern ein Ausgangspunkt, den wir vorher gemeinsam festlegen. Auch das ist Konzeption.

OnePager grafisch als visuellen Ablauf einzelner Sektionen

Inhalte werden Schritt für Schritt auf einer Seite erzählt und führen Nutzer entlang eines klar definierten Weges.

Onepager – der kuratierte Rundgang

Ein guter Rundgang durch ein Geschäft führt nicht wild durch alle Regale, sondern entlang eines Weges, den jemand bewusst geplant hat: erst die Neuheiten, dann die Bestseller, am Ende die Kasse. Genau das leistet ein Onepager, eine einzige, oft lange Seite, durch die man scrollt statt zu klicken, deren Reihenfolge komplett in der Hand dessen liegt, der sie gebaut hat.

Rechtlich Notwendiges wie Impressum oder Datenschutz bekommt meist eine eigene Unterseite. Der Rest bleibt Teil der einen, geführten Tour über die Seite.

Die stärkste Eigenschaft des Onepagers wird übrigens häufig übersehen: Er ist eines der besten Formate fürs Storytelling. Und das nicht, weil es gut klingt, sondern weil die Mechanik es erzwingt. Wer scrollt, hat keine Abzweigung. Niemand springt versehentlich ins vierte Kapitel, bevor er das erste gesehen hat. Das lineare Erlebnis ist keine Einschränkung, sondern die eigentliche Stärke.

Zwei weitere Stärken kommen selten zur Sprache, bei erklärungsbedürftigen Angeboten baut ein Onepager die Argumentation Schritt für Schritt auf, ohne dass jemand zwischendurch abspringt. Und als verlinktes Dokument in einer E-Mail oder einem Angebot fasst er kurz vor der Entscheidung noch einmal alles zusammen, was zählt.

In vielen Köpfen gilt ein Onepager als Notlösung, als Übergangsseite, bis die „richtige“ Website fertig ist. Aus unserer Erfahrung ist oft das Gegenteil der Fall: Wer Vertrauen vor Aktion stellen will, trifft mit einem Onepager häufig die bewusstere Entscheidung, nicht die kleinere.

Beispiel

Um sich für einen öffentlichen Auftrag zu bewerben, braucht ein Architekturbüro keine zwanzigseitige Website, sondern drei klar geführte Argumente: Haltung, Referenzprojekte, Ansprechpartner. Ein Onepager liefert genau das, in eben dieser Reihenfolge, auf einer einzigen Seite und auch mobil einwandfrei lesbar.

ACHTUNG

Bei komplexen Themen mit mehreren Zielgruppen oder Produktlinien wird ein Onepager schnell zum überladenen Geschäft, in dem niemand mehr den Ausgang findet. Dann braucht es entweder eine klassische Website oder eine Kombination aus mehreren Formaten.

Typische KPIs – abhängig von Ihrem definierten Ziel

Bei einem Onepager zählen meist Traffic-Volumen, Absprungrate, Verweildauer und Ladezeit. Auch hier gilt: kein festes Set, sondern der Ausgangspunkt für das gemeinsame Gespräch vorab.

Microsite Grafik zur detaillierten Darstellung von der Sitemap

Ein eigenständiger Themenbereich mit eigener Gestaltung und mehreren gezielt aufgebauten Unterseiten.

Microsite – der Pop-up-Store

Eigene Fassade, eigenes Konzept und oft nur für ein paar Wochen an einem belebten Ort platziert, um danach wieder zu verschwinden? Ein Pop-up-Store hat keine Mühe, aufzufallen, Sichtbarkeit ist sein Wesen. Eine Microsite funktioniert ganz ähnlich. Sie liegt oft auf einer eigenen Domain oder Subdomain, hat ihr eigenes Design und widmet sich einem einzigen Thema, ohne mit der Hauptwebsite um Aufmerksamkeit zu buhlen.

Diese Eigenständigkeit ist ihr größter Vorteil. Weil eine Microsite nicht ins Corporate-Korsett der Hauptwebsite passen muss, lässt sich hier mit Videos, Animationen oder kleinen interaktiven Tools experimentieren, was auf der Hauptseite oft zu aufwendig wäre. Typische Anlässe dafür sind Produktlaunches, Events oder gezielte Employer-Branding-Kampagnen.

Was uns hier regelmäßig auffällt: Gerade weil eine Microsite so viel Freiheit bietet, wird sie schnell zum Spielplatz – dabei braucht auch sie ein klares Ziel, sonst verpufft die Aufmerksamkeit, die sie erzeugt.

Praxisbeispiel

Unser Kunde DGI, eigentlich auf Büroimmobilien für Geschäftskunden spezialisiert, hat mit DG Living (dg-living.de) ein zweites Standbein aufgebaut: Wohnimmobilien für private Interessenten. Statt das neue Angebot in die bestehende B2B-Seite zu pressen, bekam es eine eigene Microsite, auf der das Know-how aus dem Geschäftskundenbereich für eine ganz neue Zielgruppe übersetzt wird, losgelöst von der Hauptwebsite, aber genauso professionell gestaltet.

ACHTUNG

Der häufigste Fehler zeigt sich erst nach der Kampagne: Der Pop-up-Store bleibt einfach stehen, mit demselben Schaufenster, obwohl der eigentliche Anlass längst vorbei ist. Eine vergessene Microsite wirkt dann nicht mehr wie dieser eine, besondere Moment, sondern wie ein verwaistes Geschäft.

Typische KPIs – abhängig von Ihrem definierten Ziel

Bei einer Microsite lohnt vor allem der Blick auf Conversion-Rate, Traffic-Volumen, Click-Through-Rate sowie Return on Investment.

Spannende Nebenschauplätze – aber kein Ersatz

Landingpage, Onepager und Microsite ersetzen die Hauptwebsite nicht. Sie sind Nebenschauplätze, geschärft für einen bestimmten Moment, ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Zielgruppe, die Besucher am Ende gezielt zurück zur Hauptwebsite führen. So wie jedes Sonderangebot und jeder Pop-up-Store letztlich auf denselben Stammladen einzahlt.

Das Wichtigste noch einmal im Überblick

Merkmal Landingpage Microsite Onepager
Primäres Ziel Direkte Conversion (Leads, Verkäufe, Anmeldungen) Produktspezifische Kampagnen oder Recruiting Kompakte Information, Storytelling oder Portfolios
Seitenstruktur Einzelne, eigenständige Seite ohne klassische Unterseiten Besteht oft aus einigen wenigen Unterseiten (Themencluster) Inhalt wird auf einer einzigen, langen Seite präsentiert
Domain & Hosting Läuft meist unter Hauptdomain des Unternehmens Liegt meist auf eigener, separater Domain oder Subdomain Kann auf eigener Domain liegen oder Teil einer Website sein
Design & Optik Folgt meist strikt dem Corporate Design Große gestalterische Freiheit, optisch oft Unterschied zur Hauptseite Klare visuelle Trennung der Abschnitte, starke Typografie, optimiert für lineares Scrollen
Navigation Kein Navigationsmenü, um Ablenkungen zu vermeiden Reduzierte, klassische Navigation Navigation durch Scrollen oder Anker-Links
Besonderheiten Fokus auf Call-to-Action und Nutzenargumente Schafft besondere User Experience durch Interaktivität Besonders mobilfreundlich durch Scroll-Verfahren

Häufige Fragen aus der Praxis

Ja, Landingpages können mehrere Unterseiten haben. Wichtig ist dabei, dass es übersichtlich bleibt, damit die Userführung nicht leidet – gerne denken wir das gemeinsam durch.

Microsites verfügen oft über eigene Domains, eine Subdomain kann aber genauso zielführend sein, etwa bei kurzfristig gedachten Kampagnen, die irgendwann auslaufen.

Dafür empfiehlt sich die Beobachtung bestimmter Kennzahlen: Klickzahlen, Verweildauer, Absprungrate und weitere, abhängig vom Ziel. Welche davon für Sie relevant sind, klären wir vor der Konzeption.

Meist die Kommunikation, entweder in der Abstimmung mit dem Kunden oder später mit dem Endnutzer auf der fertigen Seite. Klare, präzise Zielbenennung ist hier das A und O. Häufig werden Seiten außerdem mit zu vielen Boxen oder Call-to-Actions überladen, was Nutzer eher überfordert als überzeugt. Und: Wird mobile Zugänglichkeit nicht von Anfang an mitgedacht, rächt sich das später.

Am einfachsten über die Zielfrage: Soll in erster Linie eine Aktion ausgelöst werden? Dann meist die Landingpage. Geht es um ein einzelnes, abgegrenztes Thema mit eigener Optik? Dann eher die Microsite. Soll ein Angebot Schritt für Schritt erklärt oder emotional erzählt werden? Dann oft der Onepager. In der Praxis ist die Antwort aber selten eindeutig, deshalb klären wir diese Frage immer gemeinsam vor der Konzeption.

Ob Schaufenster-Angebot, kuratierter Rundgang oder Pop-up-Store

Die Wahl hängt nie nur vom Format ab, sondern davon, was vorher passieren soll – Vertrauen aufbauen oder Handlung auslösen.

Schreiben Sie uns, und wir sortieren das gemeinsam mit Ihnen: In einem unverbindlichen Erstgespräch, bevor auch nur eine Zeile Konzept entsteht.